Über mich: Leben in zwei Kulturen

Als ich 1962 in einer Kleinstadt Nähe Ankara geboren wurde, arbeitete mein Vater bereits in Deutschland. Ich gehöre zu den Kindern der ersten Gastarbeitergeneration. Meinen ersten Geburtstag verbrachte ich im Zug nach Deutschland. Da auch sehr bald meine Mutter anfing als Schneiderin für eine Modeboutique zu arbeiten, bekam ich mit drei Jahren eine liebevolle deutsche Tagesmutter und ging vormittags in einen evangelischen Kindergarten. So lernte ich die beiden Sprachen Türkisch und Deutsch gleichzeitig.

Als ich sechs Jahre alt war, kehrten meine Eltern zurück in die Türkei. Ich wurde dort eingeschult, lernte gemeinsam mit 50 weiteren Schülern in einer Klasse der türkischen Schule lesen und schreiben. Jedoch kehrten meine Eltern nach zwei Jahren  wieder mit mir zurück nach Deutschland. Meine Schulbildung setzte ich in einem schwäbischen Dorf fort. Nach der vierten Grundschulklasse besuchte ich im Nachbarort das Gymnasium, was sehr unüblich für meine Generation als Gastarbeiterkind war.İstanbul_Lisesi_logo_(round)Nach weiteren zwei Jahren gab es für mich wieder einen Länderwechsel. Diesmal hieß meine neue Wohnanschrift Istanbul. Dort besuchte ich das renommierte Lyzeum Istanbul-Erkek-Lisesi. Ich hatte in allen wissenschaftlichen Fächern deutsche und in allen sozialen Fächern türkische Lehrer. So setzte ich meine Zweisprachigkeit in Wort und Schrift weiterhin fort und erhielt beide Sprachen akzentfrei. Nach meinem Abschluss studierte ich drei Jahre deutsche Linguistik und finanzierte mein Studium mit Übersetzungen. Nach zehn Jahren Istanbul-Aufenthalt kehrte ich wieder nach Deutschland zurück.

auf den Treppen...

So wechselte ich 1985 von der türkischen Metropole Istanbul in die deutsche Metropole Berlin. Hier studierte ich Neuere Deutsche Philologie und Erziehungswissenschaften, gründete eine Familie und erzog unsere drei Kinder. Zwischendurch lebten wir neun Jahre in Mecklenburg und seit 16 Jahren arbeite ich wieder als Übersetzerin und Dolmetscherin. Da in diesem neuen Bundesland kaum Menschen mit türkischen Wurzeln leben und dementsprechend die Dolmetscherdichte in der türkischen Sprache kaum vorhanden ist, hatte ich die Chance im ganzen Land an sehr vielen Gerichten zu dolmetschen.

Wieder in Berlin habe ich meine allgemeine Beeidigung für die deutschen Gerichte und Notare vom Landgericht Berlin erhalten. Ich arbeite als konsekutiv und simultan Dolmetscherin und als Übersetzerin. Neben meiner Tätigkeit für die Gerichte, Polizei und Standesamt habe ich u.a. auch für private Firmen, das Deutsche Rote Kreuz, für das Ausländer- und Gesundheitsamt, das Bildungsministerium, für ein Museum und auch für verschiedene Film-Firmen gearbeitet.

Ich arbeite sehr gerne in den Bereichen Soziales, Gesundheit, Politik, Schule, Erziehung, Tourismus, Kunst und Kultur und vorallem an allen weiteren Themen, welche Kinder und Jugendliche betreffen.

auf-der-bank